zum Inhaltsbereich

ihr Standort auf der Webseite

Standort: Home Kunst / Kultur Ausstellung

zur Orientierung auf der Seite

Ausstellung

ErlkoenigLaour_web"Ex Libris"
Anna Laour | Das Wort im Bild

Man kann die Bilder von Anna Laour wohl am besten als überdimensionale Einzelblätter verschiedener illustrierter Bücher begreifen. Die Veranschaulichung des geschriebenen Wortes durch künstlerisch gestaltete Bilder kann ja auf eine bis in die Antike zurückreichende Tradition zurückblicken, und in ihren Grafiken führt die Künstlerin diese Tradition in gewandelter Form weiter, wobei sie auf die drei bekanntesten, eigentlich grundsätzlich unterschiedlichen Vertreter der Bilderzählung Bezug nimmt: auf die illuminierten religiösen Handschriften des Mittelalters, auf die literarischen Malerbücher des frühen 20. Jh. von Picasso, Matisse, Klee und vielen anderen, aber auch auf die populären Kinderbilderbücher.

Die häufige Wahl von mythologischen, teilweise christlichen Motiven und die Verflechtung von ornamentalen und figurativen Elementen in ihren Bildern verweist auf die mittelalterlichen Buchmalerei, deren aufwendige materielle Ausführung auch die Betonung der stofflichen Qualität der Werke Anna Laours motiviert: In ihren großformatigen, auf grobstrukturiertem Aquarellkarton ausgeführten Bildern wendet sie nämlich eine spezielle, selbst entwickelte Technik der Mischung von Aquarellfarben und Gouache an, welche die leuchtende Flächigkeit der ersteren mit der matten Faktur der letzteren kontrastiert und gleichzeitig die natürliche Musterung des Bildträgers hervortreten lässt. Durch die scharfe Flächenkonturierung setzt sie zudem das malerische Medium des Aquarells in einem grafischen Modus ein, wodurch paradoxer Weise die stoffliche Wirkung der Farben zusätzlich verstärkt wird.

Die Künstlerin interpretiert die Schriftwerke, denen ihre Werkzyklen gewidmet sind, spielerisch mit zahlreichen Bilderfindungen und orientiert sich in dieser Hinsicht an den freien Textinterpretationen der modernen Künstlerbücher: Häufig wird erzählerische Inhalt motivisch und stilistisch so weitgehend transformiert, dass dessen Entschlüsselung erst nach längerer eingehender Bildbetrachtung gelingt. An Kinderbilderbücher gemahnen schließlich die naive Stilisierung, die häufige Wahl von episodischen Motiven aus Tier- und Pflanzenwelt, der kräftige Farbakkord sowie die Betonung der Flächigkeit der Darstellung.

Nicht zuletzt durch die überlegten Bildkompositionen geht von den Bildern eine ausgesprochen dekorative Wirkung aus. Sie geben dem Betrachter darüber hinaus aber auch Anlass, über einige tiefgreifende Entwicklungen in der heutigen digitalen Massenkultur nachzudenken: so etwa über die Verarmung der visuellen Vielfalt oder über den Bedeutungsverlust von Texten, die über Jahrhunderte zum Kern des europäischen Kulturgutes gehört haben.

Dr. Arnold Krommer

AnnaLaour-Portrait_webAnna Laour


Geboren in Sankt Petersburg, Russland.
Master of Arts der staatlichen Muchina-Hochschule für angewandte Kunst und industrielles Design.
Lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Wien.

 

Ort: Club alpha, 1010 Wien, Stubenbastei 12/14

Wann: Dienstag, 16. Jänner 2017 - 19:00

Begrüßung: Eva Pisa
Einführung: Arnold Krommer

Anmeldung unter: clubalpha@alphafrauen.org

Zu besichtigen bis Ende Dezember nach telefonischer Voranmeldung unter 01/513 48 00.