Der Übersetzer
Karl Blessing Verlag
München, 2008
Darfur, im Westen des Sudan gelegen, ist seit Jahren Schauplatz einer humanitären Katastrophe. Daoud Haris Heimatdorf, ebenso wie unzählige andere Dörfer, wurde von Reitermilizen überfallen, die Häuser durch Flugzeugangriffe dem Erdboden gleichgemacht oder niedergebrannt, die Einwohner auf der Flucht getötet, Frauen und Kinder vergewaltigt.
Daoud Hari, vom Volk der Zaghawa, schloss sich nicht wie viele andere seiner Freunde und Verwandten den Rebellen an, sondern begleitete vom Tschad aus internationale Berichterstatter in die gefährlichsten Gebiete Darfurs und übersetzte die Geschichten der Flüchtlinge. 2006 wurde er bei einem solchen "Ausflug" gemeinsam mit seinem Fahrer und einem amerikanischen Journalisten unter Spoinageverdacht gefangengenommen und wochenlang gefoltert. Erst nach einem Monat konnte die Gruppe befreit werden.
Dieser Bericht nimmt den Leser trotz der ruhigen und unspektakulären Sprache sehr mit, manche Szenen tun in der Seele weh- auch wenn die Realität unbeschreiblich bleibt. Aufmerksam auf die schreckliche Situation im Sudan zu machen- das will der Autor und das gelingt ihm auch. In seinem Exil in den USA schreibt Daoud Hari sein Buch "Der Übersetzer", das mit den Worten endet:
"Von nun an sollte ich mich auf andere Weise dafür einsetzen, dass die Geschichten ihren Weg heraus aus Darfur fanden und das Volk seinen Weg zurück nach Darfur, in die Heimat, in Frieden. Was kann ein Einzelner schon tun? Freundschaften schließen natürlich, und tun, was er kann." (S 231)
Über den Autor:
Daoud Hari, 34, Flüchtling aus Darfur, lebt in Baltimore und ist ein Vertreter der Initiative "Voices from Darfur".
Wir danken dem Karl Blessing Verlag für die Unterstützung und die Bereitstellung von Bild- und Informationsamterial!
Bettina Armandola
10.08.2008 11:09