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Nilfieber

Nilfieber - Der legendäre Wettlauf zu den Quellen in Originalberichten

Mit Beiträgen von Alan Moorehead, James Bruce, Richard Francis Burton, David Livingstone, Henry Morton Stanley und anderen


Ediert und eingeleitet von Georg Brunold

Aus dem Englischen von Kurt Jürgen Huch

Malik, Dezember 2009

Paperback, 446 Seiten

ISBN: 9783492403696

€ 15,40

Um die Entdeckung der Nilquellen entwickelte sich im 19. Jahrhundert ein regelrechter Wettstreit, die für viele zu einer Frage nationaler Bedeutung wurde. Wer auch immer - in den meisten Fällen waren die Protagonisten männlich - die Frage der Nilquellen klären würde, konnte nicht nur mit Ruhm und Ehre, sondern mit der Dankbarkeit einer gesamten Nation rechnen. Die Medien spielten bei der ganzen Aufregung eine gewichtige Rolle. Sie hielten nicht nur die breite Bevölkerung über die letzten Entwicklungen auf dem Laufenden, sondern unterstützten viele Expeditionen auch finanziell oder schickten sogar ihre eigenen Reporter aus, um vor Ort nach verschollenen Entdeckern zu suchen, wie im Fall Stanley und Livingstone.

Der erste und umfangreichste Beitrag stammt vom australischen Journalisten Alan Moorehead aus dem Jahr 1960 und leistet eine Zusammenfassung der wichtigsten Entdeckungsreisen. Leider sind nähere Informationen zum Autor und zum Beitrag spärlich und nur im Vorwort bzw. dem Quellennachweis zu finden.

Die Sprache im Hauptbeitrag, der heute erst 50 Jahre alt ist, ruft bei mir ein gewisses Unbehagen hervor.  Zitate sind originalgetreu wiederzugeben und dürfen nicht verfälscht werden, wenn jedoch etwas mit eigenen Worten zusammengefasst und abgehandelt wird, dann finde ich es sehr aufschlussreich, wenn Begriffe und Formulierungen, die die Minderwertigkeit der jeweils benannten zum Ausdruck bringen, weiterhin kommentarlos verwendet werden. Hier hätte ich mir eine deutlichere Trennung zwischen Zitat und Zusammenfassung gewünscht.

Spannend zu lesen sind die Originalbeiträge. Obwohl jeder der Autoren beim Verfassen wohl schon das potentielle Lesepublikum in der Heimat im Hinterkopf hatte, zeigen die persönlichen Einschätzungen sehr schön die unterschiedlichen Zugänge zu Land und Leuten. Bei manchen Autoren hat man den Eindruck sie sind in erster Linie darum bemüht souverän zu wirken, während andere vor allem die kulturellen Besonderheiten in den Vordergrund stellen und wieder andere hoffen mit ihren Berichten die Lebenssituation der Menschen zu verbessern, z.B. Livingstone, der angewidert über den Sklavenhandel und die Folgen für die betroffenen  Gesellschaften berichtet.

Insgesamt beinhaltet das Buch 5 Karten (s/w), aber leider nicht immer dort wo man sie während des Lesens gut gebrauchen könnte. Im Anhang findet sich ein Dossier mit Zitaten über den Nil aus der abendländischen Antike von Simone Zurbuchen. Auch ein Quellennachweis ist beigefügt. Das Buch bietet eine interessante Möglichkeit Originalberichte zu lesen. Die Berichte stehen für sich, ohne umfassende Einbettung oder Erläuterung des historischen Kontextes in dem sie entstanden sind. Ich empfehle das Buch daher als Zusatzlektüre für Interessierte.

Über den Editor

Georg Brunold wurde 1953 in Arosa (Graubünden) geboren. Nach dem Studium der Philosophie in Zürich zog er 1983 nach Kairo. Für die "Neue Züricher Zeitung" war er mehrere Jahre als Afrika-Korrespondent tätig. Heute lebt er als Redakteur der Zeitschrift "du" in Zürich.

Vielen Dank für die Unterstützung des Marix Verlages und die Bereitstellung von Information und Bildmaterial.

Marlies Presser

25.12.2010 16:28

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