Wissensfrühstück
Am 9. September um 8 Uhr fanden sich wieder ca. 30 wissbegierige Frühaufsteherinnen im Club alpha ein, um am "Wissensfrühstück" - diesmal zum Thema "Gender Medicine" - teilzunehmen. Für all jene, die leider nicht teilnehmen konnten und auch zum Nachlesen des Gehörten, hat uns Prof. Kautzky-Willer eine kurze Zusammenfassung übermittelt.
Gendermedizin: Univ.-Prof. Dr. Alexandra Kautzky-Willer
Die Gendermedizin-Forschung ist eine fächerübergreifende Wissenschaft an Mann und Frau, die wichtige geschlechtsabhängige Unterschiede wie Gemeinsamkeiten in der Medizin aufzeigt und komplexe Zusammenhänge zum Profit für Mann und Frau untersucht. Die junge Wissenschaft steht für eine differenzierte Behandlung von Mann und Frau in allen Lebensabschnitten. Das Erkennen geschlechtsspezifischer Bedürfnisse und die Entwicklung neuer spezifischer medizinischer Konzepte tragen zur Erhaltung der Gesundheit und besseren Regeneration bei. Eine zielgerichtete Behandlung und weniger Komplikationen führen zu einer höheren PatientInnenzufriedenheit und Therapieakzeptanz.
Die Gender-Medizin basiert auf dem bio-psycho-sozialen Modell: das bedeutet dass sowohl die biologischen als auch psychosozialen Unterschieden zwischen Männern und Frauen, die sowohl das Gesundheitsverhalten als auch die Entstehung, Wahrnehmung, Ausprägung und Therapie von Krankheiten betreffen, berücksichtigt werden. Die biologischen Unterschiede sind genetisch, hormonell und durch die unterschiedliche Körperanatomie von Mann und Frau bestimmt. Insbesondere Frauen sind durch Veränderungen in den Sexualhormone (Pubertät, Zyklen, Schwangerschaft und Stillzeit, Menopause und Postmenopause) gravierenden körperlichen Veränderungen unterworfen, die auch psychische Veränderungen und spezielle gesundheitliche Risiken implizieren. Ebenso beeinflussen soziale, kulturelle und gesellschaftliche Faktoren und Erwartungen Gesundheit und Krankheit bei beiden Geschlechtern unterschiedlich. Da die Medizin lange Zeit Männer-zentriert war und Frauen in der wissenschaftlichen Forschung benachteiligt wurden, besteht bei vielen Erkrankungen ein großer wissenschaftlicher Aufholbedarf, insbesondere auf Seite der Frauen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Medikamente bei Frauen in der Praxis häufiger Nebenwirkungen verursachen. Allerdings besteht auch bei Männern spezieller Forschungsbedarf: Sie haben eine kürzere Lebenserwartung, kümmern sich weniger um Prävention, leben risikoreicher, sind mehr Sucht-gefährdet, fallen vermehrt Unfällen zum Opfer und haben eine vergleichsweise höhere Suizidrate.
Frauen sind aber trotz ihres stärkeren Gesundheitsbewusstseins und Informationsbedürfnisses, sowie häufigerer Arztkontakte oft vergleichsweise schlechter behandelt, was das Erreichen von Zielwerten aber auch invasive Eingriffe und Zugang zu Spitzenmedizin betrifft.
Deshalb sind der weitere Ausbau geschlechtsspezifischer Gesundheitseinrichtungen und Förderung der Gendermedizin-Forschung wichtige zukünftige Gesundheitsziele.
Weblink: www.meduniwien.ac.at/gender-medicine
