alpha-Literaturforum | Deborah Feldman: "Unorthodox"

Eine autobiographische Erzählung

 

Donnerstag, 04.04.2019

19:00, club alpha

Adresse: Stubenbastei 12/14, 1010 Wien

Ellna-Maj Schedelberger und Anneliese Stoklaska

alpha-Literaturforum | Deborah Feldman:

Buchbesprechung mit Ellna-Maj Schedleberger und Anneliese Stoklaska

In ihrem Buch „Unorthodox“ (btb-Verlag) schildert Deborah Feldman ihre Kindheit und Jugend in der Satmar-Gemeinde in Williamsburg/ Brooklyn, der größten und verschlossensten aller chassidischen jüdischen Gruppen in den USA, in der das Leben strengsten Regeln und Geboten unterworfen ist. „Jede Handlung dient
dazu, Gott zu besänftigen.“ lautet DAS Credo der Satmarer. Die Vernichtung durch die Nazis, so lehren die Rabbiner, sei die Strafe Gottes dafür gewesen, dass die Juden sich assimiliert, sich an die Welt der nichtjüdischen Mehrheit angepasst hätten. Nur das Leben nach den Gesetzen, so wie diese in den Schtetln von Osteuropa seit Jahrhunderten ausgelegt wurden, sei gottgefällig und könne einen neuen Holocaust verhindern.


Feldman erzählt von der strikten Unterwerfung unter zum Teil abstruse Lebensregeln, von Ausgrenzung, Armut, von der Unterdrückung der Frau, von ihrer eigenen Zwangsehe und von der ständigen Angst, bei Verbotenem
entdeckt und bestraft zu werden. Und, wie sie den Mut und die Kraft zum
Verlassen der Gemeinde aufgebracht hat, um sich und vor allem ihren Sohn
ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Deborah Feldman ist in der streng
reglementierten Obhut ihrer Großeltern aufgewachsen. Die einzigen im
Haushalt der Großeltern geduldeten Bücher waren Gebetsbücher, Fernsehen gab es nicht, Zeitungen wurden nicht gelesen, Englisch galt als Gift, denn „es trübe die Seele, dadurch werde man unempfänglich für göttliche Reize“.


Feldman verurteilt aber nicht, sie schildert den „religiösen Fundamentalismus“
in einer Art und Weise, die nicht anklagend ist, sondern analytisch, ehrlich und lebensnah. Ihr Buch ist aber auch ein persönlicher Befreiungsschlag. Feldman hat Brooklyn verlassen und ist in ein muslimisch dominiertes Stadtviertel gezogen –
ausgerechnet nach Berlin-Neukölln.


Deborah Feldman wurde 1986 in New York geboren und wuchs in der jüdischen
Satmar-Gemeinde im Stadtteil Williamsburg/Brooklyn auf. Ihre Muttersprache
ist Jiddisch. Sie studierte am Sarah Lawrence College Literatur. Heute lebt sie mit ihrem Sohn in Berlin.

 
Es wäre wünschenswert, wenn Sie das Buch bereits gelesen oder zumindest hineingelesen hätten.

 

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Deborah Feldmann
Unorthodox
ISBN-13: 978-3442715343
384 Seiten
€ 10,00

 

 

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