alpha Literaturforum

 

Montag, 19.11.2018

19:00, Club alpha

Adresse: 1010 Wien, Stubenbastei 12/14, 2. Stock

Begrüßung: Ellna-Maj Schedelberger & Anneliese Stoklaska

alpha Literaturforum

Arno Geiger: "Unter der Drachenwand"

 

Die Literatur über Leben und Leiden in Zeiten des Zweiten Weltkrieges füllt Bibliotheken, zahllos sind die Augenzeugenberichte und Erinnerungen an das Hitler-Regime, das Millionen Leben zerstörte.

In seinem jüngsten Roman "Unter der Drachenwand" (Hanser Verlag) erzählt Arno Geiger von einem Jahr im Leben des Mittzwanzigers Veit Kolbe, eines Wiener Soldaten, der nach vier Jahren Kriegseinsatz und schwerer Verletzung zur Erholung in die Ortschaft Mondsee mit der titelgebenden Felsformation kommt.

Kolbe ist kein Held sondern ein Mitläufer, dem Hitlers Partei eine wichtige Orientierung ist, von dem "Gedanken, dass der Führer ein großer Mann war", ist er nicht ganz frei. Sein Bericht ist voll von makabren Geschehnissen und Jugendschwärmerei, viel ist von frostklirrender Kälte und von Nebelfetzen die Rede, die der Seelandschaft - und Kolbes Seelenlandschaft - etwas Gespensterhaftes verleihen.

Es ist der Blick in eine zerbombte, zerschossene, zerpflügte Welt in einem langen Krieg, der auch fernab von West- und Ostfront alle Lebensbereiche durchflutet. So vermittelt dieses Buch ein Gefühl davon, wie das Leben im Krieg gewesen sein mag – nicht vom Kämpfen, sondern vom Alltag, den es zwischen einem Bombenalarm und dem nächsten ja ebenfalls gab und vor allem auch vom Warten auf das Ende des Krieges.

 

Arno Geiger schafft es, eindringlich in diese Stimmung zu versetzen, indem er ganz aus der Perspektive der Protagonisten erzählt, mit entsprechenden Übergängen und Brüchen, bezeichnet von ungewöhnlichen Querstrichen. So ist nach und nach zu erkennen, dass Veit Kolbes Worte aus seinem Tagebuch stammen könnten. Und in drei der sieben Teile des Romans bestehen die Kapitel offenbar aus Briefauszügen:    Briefe als die letzte Brücke zwischen Personen, deren Bindungen aus Familie und Bekanntschaft zerrissen sind. Briefe als das Allerprivateste, das Menschen kennen.  

 

Geiger will das Leben im Krieg zeigen und nicht erklären. "Unter der Drachenwand" erzählt von den einzelnen Menschen in der großen Geschichte, deren Existenzen ineinander verwoben sind und mittlerweile zur „Legende“ dieses Landes gehören, über die Toten, die Überlebenden und die Liebe in finsterer Zeit.  

 

Arno Geiger CV

Arno Geiger wuchs in Wolfurt, Vorarlberg, auf, er studierte Deutsche Philologie, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck und Wien und verfasste eine Diplomarbeit über Die Bewältigung der Fremde in den deutschsprachigen Fernreisetexten des Spätmittelalters.

1996 und 2004 nahm er am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil. Sein Roman Der alte König in seinem Exil wurde 2011 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

2018: Nominierung für den Deutschen Buchpreis (Longlist) für Unter der Drachenwand

Seit 1993 lebt Geiger als freier Schriftsteller in Wien und Wolfurt..

Werke: Romane, zuletzt Alles über Sally (2010), Der alte König in seinem Exil (2011), Grenzgehen. Drei Reden (2010),  Selbstportrait mit Flusspferd  (2015);  Erzählungen, 2 Hörspiele

Auszeichnungen: u.a. Deutscher Buchpreis 2005, Hebel-Preis 2008, Hölderlin-Preis 2011, Joseph-Breitbach-Preis  2018

 

Arno Geiger

Unter der Drachenwand

Hanser-Verlag

480 Seiten

€ 26,00

ISBN-13: 978-3446258129

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