! ABGESAGT ! alpha Literaturforum | Julian Barnes "Die einzige Geschichte"

Buchbesprechung

 

Dienstag, 11.06.2019

19:00, Club alpha

Adresse: 1010 Wien, Stubenbastei 12/14, 2. Stock

Mit Ellna-Maj Schedelberger & Anneliese Stoklaska

! ABGESAGT !  alpha Literaturforum | Julian Barnes

Wenn Liebe das Leben zum Kippen bringt: Der britische Autor schreibt in „Die einzige Geschichte" über die Beziehung eines scheiternden Paars am Ende der 1960er-Jahre. Ist die Erinnerung, wie Jean Paul einst meinte, wirklich das einzige Paradies, aus dem uns niemand vertreiben kann? Oder ist sie, ganz im Gegenteil, eine Hölle, aus der es kein Entrinnen gibt? Beantworten will Julian Barnes diese Frage in seinem neuen Roman „Die einzige Geschichte“  nicht, er möchte sie aber mindestens von seinem Erzähler Paul gestellt wissen, einem siebzigjährigen Mann, der eine Vergangenheit rekapituliert, die er nicht vergessen kann. Konkret geht es um seine erste, wohl einzige große Liebe,  

die für ihn, wie die betroffene Frau, „eine totale Katastrophe gewesen sei", konstatiert Paul bei seiner Ermittlung in eigener Sache: Lieben oder leiden?!

Dementsprechend lautet der erste, direkt an den Leser gerichtete Satz: „Würden Sie lieber mehr lieben und dafür mehr leiden oder weniger lieben und weniger leiden? Das ist, glaube ich, am Ende die einzige wahre Frage"

Das „Leiden" nimmt seinen Ausgang, als der19jährige Paul Susan kennenlernt, sie ist 48, hat zwei Töchter (beide älter als Paul) – und einen Ehemann. Paul und Susan werden schnell ein Paar, was für einige Komplikationen sorgt und zu einem Skandal größeren Ausmaßes führt. Susan verlässt Mann, Haus und Kinder und zieht mit Paul, der ein Rechtsstudium aufnimmt, in eine kleine Wohnung nach London. Dort gerät die Beziehung im Lauf der Jahre aus den Fugen, sie endet in Angst, Misstrauen, Wut, Lüge, Alkoholismus, Depression und Wahnsinn. 

Barnes erzählt unsentimental und nüchtern von Bildern, die man sich vom anderen macht, von der Leichtigkeit des Jungseins, den Bürden des Alters – und, vor allem, vom Zauber des Anfangs.

Es bleibt die Erinnerung und ein Liebesroman, geschrieben im geschmeidig-ruhigen Barnes-Stil, in dem stets weit mehr mitschwingt als das Gesagte. Die „Einzige Geschichte“ ist ein trauriges Buch über Vergänglichkeit, die Zerbrechlichkeit der Liebe und die Kipp-Punkte des Lebens, in dem trotzdem das Glück immer wieder aufflackert. Kurz nur, aber lange genug, um dem Erzähler und mit ihm dem Leser den Kopf zu verdrehen. (Der Standard, 18. 2. 2019).

 Ellna-Maj Schedelberger  und  Anneliese Stoklaska

PS: Es wäre wünschenswert, wenn Sie das Buch schon gelesen oder zumindest hineingelesen hätten. 

 

Julian Barnes

Geboren in Leicester, UK, Sprachen- und Jurastudium in Oxford, arbeitete als Lexikograph und Journalist, seit etwa 1980 als Schriftsteller tätig, lebt in London

Barnes zählt zu den vielseitigsten zeitgenössischen englischen Schriftstellern (15 Romane, Erzählungen, Essays, journalistische Zeitsatiren, Literaturübersetzungen aus dem Französischen); zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen.

Zu seinen bedeutendsten Romanen zählen u.a. „Flauberts Papagei“1984, „ Eine Geschichte der Welt in 10 ½ Kapiteln“1999, „Vom Ende einer Geschichte“ 2011,  „Der Lärm der Zeit“ 2017.

 

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Julian Barnes

Die einzige Geschichte

ISBN-13:978-3462051544

304 Seiten

€ 22,--

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