Im Gespräch mit Ruth Wodak

Politik mit Angst (und Hoffnung) - Wenn Populismus alltäglich wird

 

Montag, 17.02.2020

19:00, Club alpha

Adresse: 1010 Wien, Stubenbastei 12/14, 2. Stock

Moderatorin: Anneliese Stoklaska

Referentinnen: Ruth Wodak

Im Gespräch mit Ruth Wodak

Foto: © Mark Kensett

Als Expertin zu diesem Thema begrüßen wir Ruth Wodak, eine der renommiertesten Wissenschaftlerinnen Österreichs*. Sie ist o.Univ. Professorin i.R. für Angewandte Linguistik der Universität Wien (1974 Promotion sub auspiciis) und emeritierter Distinguished Professor (personal chair) of  Discourse Studies (Diskursforschung) der Lancaster University (UK). Geboren wurde sie 1950 in London, ihre Eltern stammten aus Wien, der Vater war Diplomat, was ihr eine dreisprachige Kindheit in Belgrad bescherte: Deutsch sprach sie mit den Eltern, Englisch in der internationalen Schule und Serbokroatisch auf der Straße. Kein Wunder, dass sie Sprachwissenschafterin wurde. Schon früh interessierte sie sich für die Analyse politischer Rhetorik.

Dementsprechend sagte Ruth Wodak anlässlich der Verleihung des vom Frauenministeriums vergebenen „Lebenswerk-Preises" am 8. Oktober 2018 in Wien, u.a.: „….es ist in einer recht wissenschaftsfeindlichen Zeit, in der immer häufiger Erkenntnisse und Einsichten zu bloßen Meinungen degradiert werden, umso wichtiger, sich kritisch reflektierend, systematisch und interdisziplinär mit den vielen komplexen, ungelösten Problemen hier und anderswo auseinanderzusetzen…. Wir erleben immer häufiger Enttabuisierung und Normalisierung ehemals tabuisierter Begriffe und ausgrenzender Ideologien. Die vielen sogenannten „Einzelfälle“ belegen diese Tendenz deutlich….. Wir befinden uns in einem Zeitalter der „Schamlosigkeit“, in dem man sich nicht einmal mehr wegen einer offensichtlichen Lüge entschuldigen muss und in dem „bad manners“, also das bewusste Vernachlässigen aller Anstandsregeln und Konversationsmaximen, von manchen als attraktives Instrument gegen sogenannte Eliten eingesetzt werden.“

 

Ruth Wodak gilt als Mit-Begründerin der sogenannten "Critical Discourse Analysis“, wobei "kritisch" für sie bedeutet, "Machtverhältnisse nicht als gegeben hinzunehmen, sondern immer zu hinterfragen und damit Möglichkeiten zur Veränderung aufzuzeigen". Mit dieser kritischen Haltung und nicht zuletzt mit Forschungen zu Identitätspolitik, Rassismus, Rechtspopulismus und Antisemitismus hat sie allerdings nicht nur Anerkennung geerntet, sondern ist immer wieder auch auf Anfeindung und Ablehnung gestoßen, was sie aber nicht daran hinderte, ein wahrlich beispielhaftes wissenschaftliches Lebenswerk zu schaffen: 

Zusätzlich zu ihrer Arbeit als Professorin an den Universitäten Wien und Lancaster hatte Ruth Wodak zahlreiche Gastprofessuren inne, u.a. in den USA, UK, Schweden, hat zahlreiche, vielfach übersetzte  Publikationen verfasst und sich als Buchautorin einen Namen gemacht, wie z. B. mit den Titeln

Kinder der Rückkehr. Geschichte einer marginaliserten Jugend (mit E. Berger), Springer 2018, dem Handbook of Language and Politics (mit B. Forchtner), Routledge 2018, oder Politik mit der Angst. Zur Wirkung rechtspopulistischer Diskurse, Konturen 2016, das  2017 als Wissenschaftsbuch des Jahres in der Sparte Sozialwissenschaften ausgezeichnet wurde, und ihrem neuesten Buch Europe at the Crossroads. Confronting Populist, Nationalist and Global Challenges.(eds. Pieter Bevelander & Ruth Wodak) Nordicum 2019.

Neben einer Vielzahl von Preisen und Auszeichnungen erhielt sie 1996 den Wittgenstein Preis, 2010 ein Ehrendoktorat der University Örebro, Schweden, sie war Präsidentin der Societas Linguistica Europaea, 2011 wurde ihr das Große Silberne Ehrenkreuz für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Außerdem ist sie Mitglied der Academia Europaea und der British Academy of Social

Sciences. Und dafür, dass sie ihre Dankesrede anlässlich der Verleihung des „Lebenswerk-Preises“ mit der Abwandlung eines bekannten Zitats geschlossen hat, nämlich mit „Geht’s den Frauen gut, geht’s uns allen gut“, sollte man Ruth Wodak umgehend eine „alpha Honorary Fellowship“ antragen!

*https://www.lancaster.ac.uk/fass/doc_library/linguistics/wodakr/RW_Extended%20CV_August%202018.pdf

 

Unkostenbeitrag: € 8,-- inklusive Getränkebon, alpha Mitglieder und Fördernde gratis.

Um Anmeldung wird gebeten.

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